Ab nach Griechenland 2017.

Und, schon wieder weg? Irgendwie werde ich ja nervös, wenn man nicht in Bewegung ist, nicht nur privat, sondern auch zum Leidwesen des Einen oder Anderen beruflich.

In diesem Jahr liegt ja der Iran vor uns, zumindest in unserer Planung und da macht es ja vielleicht Sinn, die „Anreise“ etwas anders zu gestalten: Im ersten Schritt bis nahe an die EU-Außengrenze heran, weil wir den Camper erst einmal bis zum Beginn unserer Sommerferien dort abstellen wollen und das ist innerhalb der EU einfacher als in der Türkei, so zumindest das Ergebnis meiner Recherchen. Darum erstes Ziel Nord-Griechenland, Thessaloniki. Google Maps gibt rund 2.100 km als Distanz an, also irgendwie doch in rund zwei Wochen sehr entspannt machbar. Das daraus dann doch wieder 3.600 km wurden, ist den durchreisten spannenden Ländern und unserer Neugier geschuldet. Und die kommt beim Reisen, so wie der Appetit bekanntlich ja beim Essen.

So führte uns die (An-)Reise durch acht Länder, das Eine oder Andere davon eher durch- als bereist. Aber wieder bleiben ganz viele Eindrücke und Erinnerungen. Insofern hört sich 3.600 km vielleicht viel an, die Eindrücke haben das aber mehr als wett gemacht und bis auf den einen oder anderen „längeren Schlag“ stand das Fahren nicht im Mittelpunkt der Reise durch Länder, die wir bis auf Griechenland bisher persönlich noch gar nicht kannten. So besuchten wir Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Albanien, Mazedonien und schließlich Griechenland.

#GerGR17map

Noch eine Anmerkung vorab: Die Reisezeit war optimal. Temperaturen immer um die 20+ Grad und nahezu keine Touristen. Je weiter wir nach Süden reisen sollten, verschwanden diese auch ganz. Außer auf der Insel Rab oder in den Naturschutzgebieten haben wir keine Verbote für freies Stehen gefunden und das, außer bei der zwischendurch notwendigen „logistischen Einkehr“ auf einem Campingplatz, genutzt. Vielleicht ist diese Freiheit auch nur in der eher touristenfreien Zeit möglich. Einfach ausprobieren.

Nach einer vom Osterverkehr geprägten Anreise durch Österreich mit sehr nettem Zwischenstopp in der Nähe des Wörthersees (und dem Campingplatz in Rosegg) und Slowenien erreichten wir Ostersamstag die kroatische Insel Rab. Und dort gleich die jetzt neu mitgeführten Fahrräder genutzt und die dem Stellplatz naheliegende Altstadt besucht. Kroatien ist nett, aber nach unserem Geschmack schon ein ganzes Stück zu sehr durch den Tourismus geprägt. Das merkt man zum Einen an der Infrastruktur, aber auch an den (zu professionell) freundlichen Leuten, dies ist oftmals dann nicht mehr ganz so authentisch. Je weiter wir nach Süden, insbesondere in Länder wie Albanien oder Mazedonien kamen, je unverstellter wurde die Perspektive.

In Kroatien haben wir einige Stationen gemacht: natürlich Küstenorte wie Zadar, Sibenik und Split, die Wasserfälle von Krik mit Skradin, unbedingt sollte man aber auch in das kroatische Landesinnere reisen und mindestens einen Tag im Naturpark Plitvika einplanen. Die freie Stellplatzsuche zwischendurch hat dann so auch den einen oder anderen Nachteil, begleitet uns doch nun bis zu unserer Rückkehr eine weitere „Öffnung im Aufbau im Astdurchmesser“, welche man mit Panzerband öffnen und verschließen kann.

In Split entschieden wir dann doch recht spontan am Nachmittag nach Mostar in Bosnien und Herzegowina zu fahren, 120 km Autobahn, die letzten rund 40 km Landstraße. Alles allerdings bei starkem Regen und in der Dunkelheit. In der Nähe von Mostar haben wir dann jedoch einen Campingplatz gefunden, der unbedingt zu empfehlen ist:  Autocamp Blagaj. Herzlich, freundlich, klein und übersichtlich, im Angebot enthalten ein Bootsverleih und WiFi. Kaum angekommen hatten wir schon zur Begrüßung ein halben Liter Rotwein und Coca Cola im Camper. Nicht nur diese Begegnung war nett, sondern auch die vereinzelten anderen Camper aus Frankreich und Deutschland und ihren ganz eigenen Lebensentwürfen und work-life-balance.

Mostar selber präsentierte sich am nächsten Tag bei strahlendem Wetter. Beim Frühstück haben wir uns noch mit Mostar im Bosnienkrieg der Zeit 1992-95 beschäftigt. Alte Fernsehreportagen aus dieser Zeit ernüchterten: Das Ganze nicht wirklich lange her, mitten in Europa und die Motivation und Argumentationsketten in den Interviews erinnern stark auch an aktuelle Konflikte. Von Mostar dann durch das unbedingt zu empfehlende Hinterland und die Hochebene von Bosnien und Herzegowina nach Süd(westen) wieder zur Küste nach Dubrovnik in Kroatien. Ein schöner Abend in der Altstadt von Dubrovnik mit exzellentem Essen, netten Gassen und dem obligatorischen Sonnenuntergang. In Dubrovnik macht es Sinn, einfach den komfortablen Campingplatz Solitudo zu nutzen.

Von Dubrovnik aus stand dann am nächsten Morgen ein etwas längerer Fahrtag mit ca. 260 km auf dem Plan. Wir wollten Montenegro nur durchfahren (Montenegro alleine ist aber sicherlich auch einige Tage Aufenthalt wert!) und schauen, wie weit wir nach Albanien hineinkommen: Küste im Norden, idealerweise aber die campside nahe Tirana. Wer unseren oder meinen Ehrgeiz erahnt, wir haben es gut bis Tirana geschafft. Wenn man es weiß, ist der Campingplatz dann eigentlich auch leicht zu finden, nachdem wir jedoch durch das Navi von der falschen Seite zweimal durch sehr enge Wege und Gassen mit sehr tief hängendem Kabelgewirr gekreist waren, hat uns ein Albaner durch Vorausfahren aus dem „Kreisel“ herausgelotst und Richtung Platz geführt. Merke: Wenn etwas wie ein Bauweg den vermüllten Grünstreifen an einer Schnellstraße durchbricht, kann man durchaus auch eine Ausfahrt dahinter vermuten. Auf dem Weg dorthin, tauchte dann plötzlich im Strassengewirr eine Kolonne von sieben italienischen Wohnmobilen auf, schön „deutsch“ geordnet in der Reihenfolge der aufgeklebten Fahrzeugnummern . Wir hatten dasselbe Ziel und so auch noch nette Begegnungen, da man italienischen Einladungen mit Käse, Wurst und Schweinereien in kleinen Gläsern nicht widerspricht. Englisch wird ja ohnehin überbewertet und die Italiener reisten ja „Ohne“, aber mit aufgeklebten Fahrzeugnummern schon mal bis China.

Der nette Empfang auf der campsite Tirana und dessen Lage hat uns dann spontan veranlasst, einen weiteren Tag in Tirana einzulegen. Sehr gute Entscheidung, wie es sich im Nachhinein herausstellte. Tirana lohnt sich unbedingt: Realsozialismus von 1944 – 1991, Diktator Enver Hoxha in der Zeit von 1944 – 1985, uns unbekannte Religionsgemeinschaften wie Bektaschi, Moscheen neben orthodoxen Kirchen, T-Mobile, österreichische Sparkassen und viele Bunker in der Stadt. Dieser Mix von Vergangenheit und Moderne macht neugierig.

Nach einer zweiten Übernachtung dann nochmal durch den Verkehr von Tirana, führte die Weiterfahrt in Richtung Südost, um den Ohrid-See herum nach Mazedonien und den Ort Ohrid. Beides gehört unbedingt auf jedes Besuchsprogramm. Auf dem Weg dorthin streikte auch das erste Mal kurz der Camper: In Pogradec (verbotener Weise) in den Ort gefahren, im zentralen Kreisverkehr abgestellt und trotz Aufforderung der lokalen Polizei weigerte sich das Fahrzeug anzuspringen. Da wir an der „falschen Stelle“ den Fehler gesucht haben (mein Tip war der eher (unwahrscheinlich) Anlasser oder Magnetschalter) haben wir einfach einmal gewartet, was passiert. Nach einiger Zeit kam dann im samstagnachmittäglichen Trubel ein älterer Herr mit der Frage, ob wir Hilfe benötigen. Auch hier bleibt festzustellen, das Englisch total überbewertet ist, half nämlich nix, aber nach ein paar Minuten saß ich in einem fremden Wagen und wir suchten „Service“ (auf dieses Wort hatten wir uns geeinigt und es bildete so die Sprachbrücke). „Service“ erkennt man, zumindest mit meiner Vorstellung von einer Werkstatt in Pogradec nicht. Nach mehrere Versuchen hatten wir dann einen, eher nach innen gekehrten älteren Herrn in Kittel und mit einer Plastiktüte (Inhalt: altes Starthilfekabel, Teppichbodenmesser und sonstige Kleinigkeiten) gefunden. Er fuhr uns hinterher. Nach kurzer Diagnose zeigte sich ein Pol der Batterie, der sich wohl seit Island gelockert und so bei jedem Starten einen Batteriepol sukzessive abgetragen hatte und korrodiert war. Aber mit Teppichbodenmesser, Wasser aus nahegelegenen Café und ein paar Euro wurde das wieder (zumindest temporär) in Gang gebracht. Learnings: Erst mal abwarten und schauen was passiert. Anschließend haben wir dann noch in einer ortsüblichen Metzgerei (mit Arbeitssicherheit light und ohne aktuelle Hygieneampel) einige Teile eines frisch geschlachteten Lamms für das abendliche Grillen besorgt.

Weiter ging es um den Ohridsee herum nach Mazedonien und einer nicht ganz klaren Regelung für die Einreise dort wegen nicht gültiger grüner Versicherungskarte. Aber wir reisten ja über den „richtigen“ südlichen Grenzübergang ein. Das war übrigens der freundlichste Grenzübergang der insgesamt neun Grenzübertritte der Reise. Die Reise um den See herum und Ohrid selber wurde zu einem der Höhepunkte der Reise. Wir besuchten bei strahlendem Sonnenschein Kirchen, den netten Ort, das Kloster mit fantastischem Blick über den See bis hin zu noch schneebedeckten Bergen. Die Weiterfahrt und Übernachtung am Fuße des Baba-Gebirge auf rund 1.200 m Höhe folgte.

Am nächsten Tag war es dann gar nicht mehr so weit bis Griechenland. Den zweiten Teil unserer (An-)Reise wollten wir auf Chalkidiki und den drei Fingern Kassandra, Sithonia und Athos abrunden. Den Ersten erreichten wir dann Sonntag Mittag und unser spätes Mittagessen fand dann direkt am Meer in griechischer Gastronomie samt einer feiernden Geburtstagsgesellschaft und typisch griechischem Lauteninstrument, der Bouzouki statt (Gitarre klang jetzt hier einfach zu banal). Wie gesagt: Keine Touristen weit und breit. Die folgenden Tage verbrachten wir dann an sehr schönen Plätzen direkt am Meer mit Baden, Grillen, Entspannen und viel zu viel Essen. Nur unterbrochen von einer rund vierstündigen Bootsfahrt entlang der Küste der Mönchsrepublik Athos. Ach ja, bei einem Einkaufsstopp war dann der behelfsmäßig reparierte Batterielpol vollständig hinüber. Aber nur 50 Meter weiter hatten wir dann einen kleinen Landgerätehändler, der sogar die passende Batterie (Abmessungen und sogar identischen Ah) vorrätig hatte, so dass wir das alles in einer Stunde erledigt hatten. Irgendwie gehört ja auch mal Glück zu der ganzen Sache. Für Chalkidiki empfiehlt es sich möglichst immer die Wege direkt an der Küste lang zu fahren und einfach Plätze zu suchen. Bemüht man ein wenig Google, finden sich interessante Stellplätze und Wege an der Küste entlang. Danke für´s Teilen gemachter Erfahrungen in diesem Internet!

Am Donnerstag Abend haben wir dann das Fahrzeug in Paralia Gerakinis abstellfertig gemacht und noch schön in einer Taverne gegessen. Es uns gut gehen lassen. Den organisierten und bewachten Stellplatz in Thessaloniki erreichten wir Freitag Nachmittag nach nochmal kurzem Abschiedszwischenstop in Nea Moudania. Taxi zum Flughafen und dann mit einer profitablen irischen Fluggesellschaft pünktlich und problemlos nach Berlin zu Freunden und zum Bundesparteitag einer deutschen Traditionspartei, die aktuell noch nicht wieder im Bundestag sitzt.

Resümee: Aus der geplanten Anreise für die Iran-Tour ist ein richtig, richtig toller Urlaub in uns teilweise unbekannten Ländern mit spannenden Landschaften und Menschen geworden. Auf jeden Fall gerade in der touristenarmen Zeit mit angenehmen Temperaturen zu empfehlen. Und zum Abschluss dann wie immer: Hier die Übersicht der Reise im instagram-Fotoalbum und das obligatorische Video der Reiseeindrücke aus Fahrerperspektive. Bei Fragen zu … Einfach mailen.

So jetzt sind wir alle mal auf die Weiterfahrt gespannt, wir sind mitten in der Planung Mitte Juli geht es zurück nach Thessaloniki, dann durch die Türkei zu unsere Iran-Einreise. Doch davon später mehr. stay tuned.

 

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